Stadtmuseum Warleberger Hof

Die Geschichte

Durch ein prächtiges Sandsteinportal aus dem Jahre 1765 gelangt man in das denkmalgeschützte Gebäude, das auch selbst als Ausstellungsstück sehenswert ist. Neben dem eindrucksvollen Kellergewölbe mit Herdanlage und Brunnen samt hölzerner Wasserleitung sind historische Räume mit bemalten Stuckdecken, mit seidenen Tapeten und Supraporten zu sehen.

Die ältesten baulichen Zeugnisse des Warleberger Hofes verweisen auf eine mittelalterliche Gründung des Hauses: Die dentrochronologische Untersuchung eines Fundamentbalkens im Keller datiert etwa 50 Jahre nach der Gründung Kiels im Jahr 1242.

Der Gewölbekeller im Warleberger Hof

Steuerfrei und Adelshof

1616 überließ Herzog Friedrich III. von Gottorf seinem Amtsschreiber Christoph Martens das Grundstück als steuerfreies Geschenk. Martens errichtete ein stattliches Gebäude mit großem Garten und Wirtschaftsgebäuden, das den Vergleich mit den anderen Adelshöfen in Kiel nicht zu scheuen brauchte.

Eine Liste aus dem Jahr 1631 nennt insgesamt 77 solcher Höfe rund um das Kieler Schloss. Sie dienten dem schleswig-holsteinischen Landadel als städtische Winterresidenzen. Der Adel genoss hier viele Privilegien und nahm Einfluss auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Kiel.

Deckengemälde im Warleberger Hof

1621 konnte Martens sein Haus an die Wasserleitung des Schlosses anschließen. Noch heute führt der Brunnen im Keller Wasser. Zu den Privilegien des Grundstücks gehörte das Braurecht. Der Braukeller mit Wasserstelle und Herdanlage zeugt von der Bedeutung dieses Vorrechts, am örtlichen Braugewerbe und am städtischen Bier- und Weinhandel vorbei Bier selbst brauen und konsumieren zu können. Außerdem durften namhafte Importbiere und Weine gelagert werden.

Privilegien

Um diese Privilegien stritten Bürger und Rat der Stadt immer wieder, auch mit den nachfolgenden Eigentümern des Warleberger Hofes: Mit Henning von Thienen auf Warleberg, der das Haus 1695 erwarb und ihm seinen Namen gab, sowie mit denen von Buchwaldt, von Blome und von Rumohr.

Letzterer, Henning Bendix von Rumohr, ließ das Haus 1765 aufwändig umbauen und verlegte die Hauptfront in die Dänische Straße. Er schuf den repräsentativen Eingang durch das rundbogige Sandsteinportal mit Rocaillenaufsatz, dessen Kartusche ein goldenes „R“ für Rumohr zeigt.

Die Ausstellung im Gewölbekeller zeigt Fayencen und Silber des 18. Jahrhunderts der Kieler Adelskultur und des Bürgertums. Das Gemeinwesen war vom Bürgertum bestimmt, das im Rat sowie in Gilden und Zünften organisiert war. Hiervon zeugen historisches Zunftgerät und Gildeladen. 

Im Dienste ihrer Universität

Rückwärtige Ansicht des Warleberger Hofes, 1955
Rückwärtige Ansicht des Warleberger Hofes, 1955

Seit 1839, als die führende Rolle des Landadels in Holstein allmählich abnahm, befand sich der Warleberger Hof im Besitz der Universität und beherbergte verschiedene Institute - zunächst die Anatomie, die im kühlen Gewölbekeller mit dem frischen Brunnenwasser ihre Präparate bearbeitete und verwahrte. Seit 1881 war im Obergeschoss das Museum für Völkerkunde untergebracht, später das Theater- und Hebbelmuseum und das Medizinhistorische Institut.

Im Zuge der Verbreiterung der Dänischen Straße für die Schienen der Straßenbahn wurde der Warleberger Hof 1909 um ca. fünf Meter verkürzt und die entsprechend zurückversetzte Fassade mit Maschinenziegeln neu gestaltet. Das alte Sandsteinportal blieb erhalten.

Museum für die Stadt

1967 erwarb die Stadt den Warleberger Hof von der Universität, um ein Stadtmuseum einzurichten. Bei den Umbauten blieb das historische Kellergewölbe unangetastet. Die Ausstellungsräume im Erdgeschoss wurden als Zeugnisse der Stadtgeschichte mit hölzernen Paneelen, Seidentapeten, Supraporten und prächtigen Stuckdecken versehen, die aus Häusern des gehobenen Bürgertums des 18. Jahrhunderts stammen.

Das Stadtmuseum im Warleberger Hof wurde 1970 eröffnet und zeigt in zwei Geschossen wechselnde Ausstellungen zur Stadt- und Kulturgeschichte. 2009 / 2010 ließ die Stadt das Gebäude und insbesondere das historische Fachwerk der Rückseite und den Dachstuhl sanieren sowie einen Aufzug einbauen. Das Kellergeschoss wurde erweitert und komplett zu Ausstellungsräumen umgebaut. Rund 30.000 Gäste besuchen seitdem jährlich das Haus.

Ausstellung im Warleberger Hof