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Alfred Wilhelm Anschütz (1870 - 1954)

Professor der Chirurgie
* 24.09.1870 Halle
† 15.08.1954 Kiel
Verleihung am 24.09.1950

Wilhelm Anschütz
Wilhelm Anschütz

Alfred Wilhelm Anschütz wurde am 24. September 1870 als Sohn eines Juraprofessors in Halle/Saale geboren. Nachdem der Vater früh gestorben war, lebte Anschütz in dem Haus seiner Großeltern in Halle. Hier verbrachte er seine Jugend- und Schulzeit.

Besonderen Einfluss auf seine Entwicklung hatte sein Onkel, der berühmte Chirurg Richard von Volkmann, der Bruder seiner Mutter. Nach dem Abitur studierte Anschütz in Halle, Tübingen und Marburg Medizin. 1896 legte er das Staatsexamen ab und entschied sich anschließend nach dem Vorbild seines Vaters, seines Großvaters und seines Onkels Volkmann für die Hochschullaufbahn.

Ordinarius der Chirurgie in Kiel

1897 ging Anschütz an die Chirurgische Universitätsklinik nach Breslau zu dem ebenfalls berühmten Professors von Mikulicz, dessen Tochter er später heiratete. Nach längerer Oberarzttätigkeit in Breslau wurde Anschütz 1906 Professor der Chirurgie, 1907 stellvertretender Ordinarius für Chirurgie in Marburg und Ende des Jahres Ordinarius für Chirurgie in Kiel.

Diese Stellung hatte er 31 Jahre bis zu seiner Emeritierung 1938 inne. Während des Ersten Weltkrieges war Anschütz beratender Chirurg und Oberstabsarzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er noch einmal für ein Jahr von 1945-1946 auf den verwaisten Lehrstuhl der Chirurgie zurück.

Ein bedeutender Arzt

Prof. Anschütz ist die Erweiterung der Kieler Chirurgischen Universitätsklinik zu verdanken. Er errichtete eine Frakturstation, eine moderne Unfallchirurgie und gliederte ihr eine Orthopädie, eine Kinder- und eine Urologische Klinik an.

Weit über die Grenzen Deutschlands war der Name von Anschütz in ärztlichen Kreisen durch seine bedeutenden Arbeiten über Magen- und Darmkrebs, über Gallenblasen- und Knochenkrankheiten bekannt. Zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland wurden ihm zuteil, darunter 1930 die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

„Er war einer der letzten Allgemein-Chirurgen. Er war ein Kliniker, der nicht im chirurgischen Handwerk aufging, sondern von der Grundlagenforschung und den Grenzgebieten der Chirurgie und inneren Medizin der wissenschaftlichen und praktischen Arbeit in seiner Klinik eine klare Richtung gab. Die ärztliche Aufgabe stand im Vordergrund seines Denkens und Handelns“ (Konjetzny, zum 80. Geburtstag 1950).

Auch die Probleme der Studenten waren Anschütz ein Anliegen. Er rief in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Studenten das Studien kaum bezahlen konnten, 1921 die Schleswig-Holsteinische Studentenhilfe ins Leben. Persönlich setzte er sich dafür ein und reiste durchs Land, um auf die Not der Studenten hinzuweisen. Diese Studentenhilfe wurde 1933 in das „Studentenwerk“ umgewandelt, das heute an keiner deutschen Universität mehr wegzudenken ist.

Ehrensenator und Ehrenbürger in Kiel

Wegen seiner Verdienste um die Universität und die Studentenhilfe wurde 1947 in der Nähe der Universität eine Straße nach Prof. Anschütz benannt. Auch ein Studentenwohnheim trägt seinen Namen.

Zu seinem 80. Geburtstag am 24. September 1950 wurde Prof. Anschütz der Titel eines Ehrensenators verliehen. Dies ist die höchste Auszeichnung, die die Universität zu vergeben hat.

Die Stadt Kiel ernannte ihn an diesem Geburtstag zum Ehrenbürger und verlieh damit ihrerseits die höchste Auszeichnung, die ihr zur Verfügung steht. In der Urkunde heißt es: „Den unermüdlichen Forscher und erfolgreichen Chirurgen, den väterlichen Freund und uneigennützigen Helfer der Studentenschaft, Herrn Professor Doktor Willi Anschütz, dessen jahrzehntelanges Wirken zum Wohle der Stadt und ihrer Universität unvergessen bleibt, ernennt die Bürgerschaft durch die von ihr gewählte Vertretung in dankbarer Anerkennung seiner großen Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt Kiel.“

Prof. Anschütz starb am 15. August 1954 in Kiel.

Autorin: Christa Geckeler
Stadtarchiv Kiel


Quellen

  • Stadtarchiv Kiel Akte Nr. 34460: Ehemaliger Kieler Ehrenbürger Prof. Dr. Anschütz

Literatur

  • Koeniger-Anschütz, Henriette: Anschütz, Alfred Wilhelm, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Band 1, Neumünster 1970, S. 42 f.
  • Kieler Nachrichten vom 25. September 1950, vom 3./4. November 1951, vom 24. September 1970
  • Kieler Rundschau vom 16.-31. Mai 1955
  • Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 25. September 1950