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Prinz Heinrich von Preußen (1862 - 1929)

Großadmiral, Generalinspektor der Marine
* 14.08.1862 Neues Palais bei Potsdam,
† 20.04.1929 Hemmelmark
Verleihung am 12.11.1911

Prinz Heinrich von Preußen
Prinz Heinrich von Preußen

Prinz Heinrich von Preußen wurde am 14. August 1862 in Potsdam als Sohn des späteren Kaisers Friedrich III. und seiner Frau Victoria, der Tochter der englischen Queen, geboren. Sein Großvater war Kaiser Wilhelm I., sein älterer Bruder der spätere Kaiser Wilhelm II.

Prinz Heinrich besuchte das Gymnasium in Kassel, das er 1877 mit der mittleren Reife verließ. Anschließend begann seine Ausbildung zum Seeoffizier auf dem Segelschulschiff „Niobe“. Es folgten der Besuch der Marineschule in Kiel, die Seekadettenprüfung, eine zweijährige Weltreise 1878-1880 und dann die Seeoffizierhauptprüfung 1880, die er mit „gut“ abschloss.

Karriere in der Marine

Nachdem Prinz Heinrich von seiner Weltreise zurückkam, zog er in das Kieler Schloss, das er auch nach seiner Heirat 1888 mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein 30 Jahre lang bewohnte. Zu seiner Hochzeit schenkte die Stadt Kiel dem Paar den Kiliabrunnen, der auf dem Schlosshof stand. Die Brunnenfigur „Kilia“ befindet sich heute in der Dänischen Straße.

Nach der Ausbildung war Prinz Heinrich Kommandant mehrerer Kriegsschiffe und erledigte ein großes Reisepensum. 1897 wurde er mit 35 Jahren Befehlshaber. Ihm unterstanden als Chef der II. Division des I. Geschwaders mehrere Schiffe. Auf Befehl Kaiser Wilhelm II. wechselten Heinrichs Kommandos aber häufig.

Neben seinem Dienst besuchte er, vor allem im Winter 1884-1886, die Marineakademie in Kiel. 1897 lief Prinz Heinrich nach Ostasien aus und übernahm 1899 das gesamte Ostasiengeschwader. Nachdem er 1900 zurückkehrte, erhielt er die Beförderung zum Vizeadmiral, wurde 1903 Chef der Marinestation der Ostsee, 1906 Chef der Hochseeflotte und 1909 Großadmiral und Generalinspekteur der Marine.

Ein Prinz ohne politischen Einfluss

Der Prinz war wegen seiner Freundlichkeit, Bescheidenheit und offenen Art bei der Mannschaft sehr beliebt. Auch seine seemännischen Fähigkeiten fanden Anerkennung: „Seine Kgl. H. besitzt  eine besonders gute natürliche Begabung für den praktischen Teil des Seedienstes, einen sicheren seemännischen Blick, große Selbständigkeit und schnellen Entschluss“, urteilte Admiral Frh. v. d. Goltz 1892 (Eschenburg, S. 54). Anerkennung fand Prinz Heinrich auch im Ausland, vor allem auf seinen beiden Amerikareisen.

In die Politik bezog Kaiser Wilhelm II. seinen Bruder nicht ein, den er für ein „politisches Kind“ hielt, der ihm zu gutgläubig war und über den er sich zuweilen spöttische äußerte. Heinrich aber verehrte den Bruder, befürwortete seine Politik, stand ihm loyal gegenüber und „hat sich zeitlebens in den Schatten des Bruders gefügt“ (Eschenburg S. 196).

Sportler und Erfinder

Trotz seines Berufes blieb Prinz Heinrich Zeit für vielfältige Hobbys. 1910 lernte er bei dem Flugzeugpionier August Euler das Fliegen und erwarb als 37. Deutscher den Pilotenschein. Er wurde Ehrenvorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt und behielt dieses Amt bis 1927.

Auch der Segelsport begeisterte Heinrich. Er nahm 1881 an der ersten Kieler Segelregatta teil. Als der Kaiserliche Yacht-Club 1891 entstand, wurde Prinz Heinrich sein Vizekommodore, der für die Organisation der Kieler Woche verantwortlich war. Er selbst blieb aktiver Segler und beteiligte sich bis ins Alter an Segelwettbewerben. Außerdem spielte er Golf und Polo.

Eine andere Leidenschaft des Prinzen war der Automobilsport. Er legte sich 1902 einen fünf PS starken Dampfwagen zu und liebte es im offenen Auto mit „großer“ Geschwindigkeit zu fahren. Im Laufe der Zeit wurde er zu einem waghalsigen Automobilrennfahrer. Da die Frontscheibe der Autos bei Regen undurchsichtig wird, erfand Heinrich den ersten deutschen Scheibenwischer, den er 1908 patentieren ließ, 1912 und 1913 ebenfalls einen verbesserten. Alle diese Scheibenwischer wurden von Hand betrieben.

Viele Ehrungen

Prinz Heinrich erhielt 1899 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Berlin, 1902 die der juristischen Fakultät der Havard Universität. Auch die Universität Kiel verlieh ihm den Ehrendoktor. Vom österreichischen Kaiser wurde er zum Admiral der K.K. österreichisch-ungarischen Marine ernannt. 1901 bekam die Holtenauer Landstraße von Belvedere nach Norden den Namen Prinz-Heinrich-Straße, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Holtenauer Straße umbenannt wurde.

Als im November 1911 das neue Kieler Rathaus eingeweiht wurde, zeichnete die Stadt Prinz Heinrich mit dem Ehrenbürgerrecht aus, weil „das warmherzige Eintreten Seiner Königlichen Hoheit für die Wohlfahrt und das Aufblühen der Stadt Ihm die Liebe und Ehrerbietung der Kieler Bürgerschaft erworben und dauernd gesichert“ hat.

Leben auf Gut Hemmelmark

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Prinz Heinrich Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte der Ostsee. Obwohl die deutschen Streitkräfte zur See den russischen unterlegen waren, gelang es Prinz Heinrich, z. T. durch Täuschung, die russischen weitgehend in die Defensive zu drängen und Angriffe auf die deutschen Küsten zu verhindern. Als das revolutionäre Russland im Dezember 1917 einen Waffenstillstand schloss und aus dem Krieg ausschied legte Prinz Heinrich die Marineführung nieder und nahm 1918 seinen Abschied aus der Marine.

Im Oktober 1918 meuterten die Matrosen in Wilhelmshaven. Die Unruhen griffen auf Kiel über. Hier solidarisierten sich die Landmarine und die Arbeiter mit den revolutionären Matrosen. Am 5. November wehten in Kiel auf den Kriegsschiffen die roten Fahnen statt der kaiserlichen Flagge. Prinz Heinrich verließ mit seinem engeren Hofstatt das Kieler Schloss. Sie waren mit Autos auf dem Wege nach Hemmelmark. Bei einem Zwischenfall an der Levensauer Hochbrücke kam ein Soldat ums Leben.

Heinrich verbrachte seine weiteren Jahre auf Hemmelmark und beschäftigte sich außer mit seinen Hobbys auch mit der Forstwirtschaft. Er starb am 20. April 1929 in Hemmelmark. Er wurde dort im Mausoleum beigesetzt.


Autorin: Christa Geckeler
Stadtarchiv Kiel

Quellen

  • Stadtarchiv Kiel Akte Nr. 14054: Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den Prinzen Heinrich von Preußen, Stadtarchiv Kiel

Literatur

  • Eschenburg, Harald: Prinz Heinrich von Preußen. Der Großadmiral im Schatten des Kaisers, Heide 1989
  • Kieler Nachrichten vom 14. August 1962, vom 10. Januar 1984
  • Kieler Neueste Nachrichten vom 10. November 1911