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Emmy Lüthje

Emmy Lüthje (Foto: Magnussen - Kieler Stadtarchiv)
Emmy Lüthje (Foto: Magnussen - Kieler Stadtarchiv)

Geboren am 23. August 1895 in Lübeck

Emmy Lüthje wird nicht nur als Mitbegründerin des Deutschen Hausfrauenbundes und Gründerin der Hausfrauen-Union bekannt, sondern auch als die erste und einzige von der CDU aufgestellte Frau im zweiten Nachkriegslandtag Schleswig-Holsteins.

Die Kaufmannstochter, in Lübeck geboren, wächst wohlbehütet in Hamburg-Bergedorf auf, wo sie zunächst die Höhere Töchterschule besucht und danach eine Ausbildung zur pharmazeutischen Assistentin absolviert. Im Ersten Weltkrieg ist sie als Laborantin in Reichswehrlaboratorien tätig. 1919 heiratet sie den Kieler Kaufmann Hermann Lüthje und zieht nach Kiel. Ab 1926 ist Emmy Lüthje Mitglied des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine, und bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 amtiert sie als dessen zweite Vorsitzende. Im Jahr 1930 kommt Sohn Uwe zur Welt, sechs Jahre später Tochter Karen. Während des Zweiten Weltkrieges kümmert sich Emmy Lüthje überwiegend um ihre Familie.

Erst 1946 nimmt sie ihr politisches Engagement wieder auf; sie beteiligt sich maßgeblich an der Wieder- bzw. Neugründung zahlreicher Ortsverbände des Deutschen Hausfrauenbundes und wird Vorsitzende des Kieler Ortsverbandes. Im selben Jahr tritt sie der CDU bei und bewirbt sich gleich bei der ersten Kommunalwahl um einen Sitz in der Kieler Ratsversammlung, allerdings vergeblich.

Im April 1947 wird sie von der CDU als einzige Frau für den zweiten ernannten Landtag vorgeschlagen und aufgenommen. Als Mitglied des Landtages erhält Emmy Lüthje den Vorsitz des Ausschusses für Gesundheitswesen, den stellvertretenden Vorsitz im Ausschuss für das Flüchtlingswesen und wird Mitglied der Ausschüsse für Volksbildung, Erziehung und Volkswohlfahrt. Bis 1958 ist sie Abgeordnete der CDU im schleswig-holsteinischen Landtag.

Ihr außerparlamentarisches Engagement in den Bereichen Kultur, Gesundheitswesen und Sozialpolitik bringt ihr den Ruf einer überzeugten Sozialpolitikerin ein, wogegen sie als Abgeordnete in der Ausschussarbeit und den Landtagssitzungen kaum durch eigene Wortmeldungen auf sich aufmerksam macht.

Als Vorsitzende des Ausschusses für das Gesundheitswesen vertritt sie vor allem die Interessen von Hausfrauen und Müttern und nutzt ihre Tätigkeit zur Informationsbeschaffung über Krankheiten und spezielle Frauenthemen. Ihre Sorge um Vertriebene und Kranke führt zur Beteiligung an der Gründung der Schleswig-Holstein Hilfe für Schwerbeschädigte, deren Vizepräsidentin sie wird.

1947 zieht sich Emmy Lüthje den Unwillen der britischen Militärregierung zu, die sie von Oktober 1947 bis März 1948 von der Landtagstätigkeit suspendiert; einher geht das Verbot aller politischen Tätigkeiten, die Diätenzahlungen werden eingestellt. Der Vorwurf lautet, das Recht der Redefreiheit missbraucht zu haben, indem sie in öffentlichen Erklärungen die Politik und die Handlungen der Besatzungsbehörde verfälscht wiedergegeben habe. In einer Rede vor Flüchtlingen auf Nordstrand hatte Emmy Lüthje gesagt: „Das Wort Made in Germany hat in der ganzen Welt seinen alten Klang nicht verloren. Ich habe das Gefühl, dass England dieses Wort Made in Germany nicht liebt.“ Lüthje hatte zudem gefordert: „Die Grenzen des deutschen Vaterlandes von 1937 müssen wiederhergestellt werden, damit die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können...“.

Emmy Lüthje als Vorsitzende des Hausfrauenbundes. Links: Landtagspräsident Karl Ratz (Foto: Nordmarkfilm - Landesarchiv Schleswig)
Emmy Lüthje als Vorsitzende des Hausfrauenbundes. Links: Landtagspräsident
Karl Ratz (Foto: Nordmarkfilm - Landesarchiv Schleswig)

Außerdem hatte sie angekündigt, sie werde weiterhin „all das sagen, was zur Linderung der Not der deutschen Bevölkerung getan werden müsse“ und sie sei auch bereit, sich „weiter mit Offenheit gegen die Maßnahmen der Engländer zu wehren, [...]“.Emmy Lüthje darf  jedoch ihre Tätigkeit als Abgeordnete bereits vor Ablauf der sechsmonatigen Suspendierung wieder aufnehmen.

Sie hat später entscheidenden Anteil an der Schaffung von Stellen für Frauenreferentinnen in den fünf Landesministerien. Im neugegründeten Landesfrauenrat, dem sie als Landtagsabgeordnete ohne Stimmrecht angehört, vertritt sie den Hausfrauenbund. Sie wird außerdem Mitglied des Landesausschusses für Entnazifizierung, der, wie überall im Land, die überwiegende Mehrheit der als Nazis Verdächtigten vom Vorwurf der Mittäterschaft freispricht und somit ihre rasche „Rehabilitation“ betreibt.

1949 übernimmt Emmy Lüthje bis zum Jahr 1952 sowohl den Landes- als auch den Bundesvorsitz des Deutschen Hausfrauenbundes. Persönliche Differenzen mit ihrer Nachfolgerin Fini Pfannes führen 1955 zum Bruch mit dem Verband. Daraufhin gründet Emmy Lüthje gemeinsam mit ihrer langjährigen Sekretärin Telse Kuntsche im Jahr 1955 die Hausfrauen-Union als Konkurrenzverband zum Hausfrauenbund und wird deren Bundesvorsitzende. Sie investiert viel Zeit und Energie in den Aufbau weiterer Ortsgruppen.

Lüthjes politische Ambitionen gehen über die kommunale und die Landesebene hinaus: Bereits in den Jahren 1949, 1953 und 1957 kandidiert sie, wenn auch vergeblich, auf der CDU-Landesliste für den Bundestag. Eine politische Niederlage muss Emmy Lüthje 1958 hinnehmen, als sie bei der Landtagswahl ihren Wahlkreis an den jüngeren Dr. Arthur Schwinkowski verliert.

Im November desselben Jahres wird Emmy Lüthje das Bundesverdienstkreuz erster Klasse „in Anerkennung ihrer unermüdlichen Arbeit zum Wohle des Landes seit Kriegsende“ verliehen.

Im August 1961 wechselt sie für viele Parteifreunde überraschend zur FDP; ihr Ehemann sowie alle Vorstandsmitglieder der Hausfrauen-Union schließen sich an. Der Parteiwechsel bringt Emmy Lüthje keinen politischen Karrieresprung. Bereits im Februar 1962 verlässt sie die FDP wieder, den Vorsitz der Hausfrauen-Union behält sie bei. 

Im August 1966 zieht sie mit ihrem schwer kranken Ehemann kurzzeitig nach Bad Pyrmont; bereits ein halbes Jahr nach dessen Tod stirbt Emmy Lüthje am 5. Februar 1967 im Alter von 71 Jahren während eines Krankenhausaufenthaltes in Kiel.

 

(aus: Nicole Schultheiß: "Geht nicht gibt's nicht ..."
24 Portraits herausragender Frauen aus der Kieler Stadtgeschichte. Kiel 2007)