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Max Emcke (1892 - 1982)

Oberbürgermeister Max Emcke
Oberbürgermeister Max Emcke

Max Emcke wurde am 22. Juli 1892 in Weding bei Flensburg geboren. Zunächst besuchte er die Volksschule in Tingleff. Dann bereitete er sich durch Selbststudien auf die Aufnahmeprüfung am Realgymnasium in Flensburg vor. Nach bestandener Reifeprüfung studierte er, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, Rechts- und Staatswissenschaften in Leipzig, Berlin und Kiel. 1920 legte Emcke das erste Staatsexamen ab und promovierte zum Doktor der Rechte. Nach der Großen Staatsprüfung 1923 in Berlin war Emcke an verschiedenen Gerichten tätig. 1925 ließ er sich als Rechtsanwalt in Kiel nieder. Besonders während des Zweiten Weltkrieges war er ein gesuchter Strafverteidiger, der sich ohne Furcht vor eigener Gefährdung für politisch Verfolgte vor dem Kieler Sondergericht, dem Hochverratssenat in Hamburg und vor dem Volksgerichtshof in Berlin einsetzte.

Von Max Emcke hängt ein Bild in der Porträtgalerie im Rathaus.

Eingesetzt von der Britischen Militärregierung

Nach Kriegsende wurde am 14. Mai 1945 der nationalsozialistische Oberbürgermeister Walter Behrens abgesetzt und in Kiel verhaftet. Noch am gleichen Tag erschien Oberst Muirhead, Militärgouverneur von Kiel, bei Max Emcke in Boostedt bei Neumünster, wohin die ausgebombte Familie Emcke ausgewichen war. Emcke beschreibt diese Begegnung mit dem Oberst, der sagte: „'Ich komme als Gouverneur der Stadt Kiel zu Ihnen, um sie zu bitten, mir zu helfen, indem Sie das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Kiel übernehmen.' ... Bevor er in seinen Wagen stieg, drehte er sich noch einmal um und erklärte: 'Es ist zwar verboten, einem Deutschen die Hand zu geben, Ihnen aber möchte ich sie reichen'.“ Wer Max Emcke den Briten als Oberbürgermeister vorgeschlagen hatte, lässt sich nicht genau sagen. Möglicherweise waren es Vertreter der Kirchen.
Am 4. Juni 1945 wandte sich der neue, kommissarische Oberbürgermeister in der ersten Nummer des „Kieler Kurier“ an die Bevölkerung der Stadt. „Wir sind jetzt eine Notgemeinschaft, wie nie zuvor. Die Not aber werden wir überwinden. Nachdem die geistige Knechtschaft ihr Ende gefunden, hat das Leben wieder Sinn bekommen. ... Im Geiste reiche ich Ihnen beide Hände. Die Aufgabe erscheint unüberwindlich, wir müssen aber hindurch. Lassen Sie uns arbeiten und nicht verzweifeln.“
Die Not war nach dem Krieg in Kiel groß. Die Stadt war zu 75% zerstört, darunter Industriebetriebe, Wohnhäuser, Versorgungseinrichtungen. Das Gaswerk war außer Betrieb, Strom- und Wasserleitungen stark beschädigt, die Kanalisation an 800 Stellen gebrochen. Um eine Seuchengefahr zu verhindern, wollten die Briten einen Teil der in der Stadt verbliebenen Kieler evakuieren. Emcke wandte sich vehement gegen diese Pläne. Eigenständig war er aber in seinen Entscheidungen nicht. Er konnte lediglich Eingaben an den Militärgouverneur oder an die Fachoffiziere machen. Emckes Arbeit wurde jedoch durch das Vertrauen der Bevölkerung und durch die verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Militärregierung erleichtert. Um die  Evakuierung der Kieler zu vermeiden, bildete Emcke einen „Antiseuchenstab“. Städtische Fachleute erarbeiteten Pläne, wie die öffentlichen Versorgungseinrichtungen wieder funktionsfähig gemacht werden konnten. Emcke überzeugte die Briten durch diese Vorschläge, die dadurch von der Evakuierung absahen.

Max Emcke: Ein Mann der ersten Stunde

Trotz seiner großen Verdienste wurde Max Emcke auf Anweisung des Alliierten Kontrollrats im Februar 1946 abgesetzt. Die Gründe sind bis heute nicht geklärt. Die Militärregierung erklärte dazu im „Kieler Kurier“: „Er [Emcke] hat die Stadt in der hinter uns liegenden schwierigen Zeit geschickt geleitet und die volle Unterstützung des Volkes genossen. Die Militärregierung spricht ihm ihre Anerkennung und ihren Dank aus. Er besitzt nach wie vor das volle Vertrauen der Militärregierung.“ Auch die inzwischen berufene Ratsversammlung sprach Emcke das Vertrauen aus.
Er wurde wieder als Rechtsanwalt tätig. Von 1947 bis 1950 gehörte er, der Gründungsmitglied der CDU in Schleswig-Holstein war, dem Landtag an. 1950 verließ Emcke die CDU, weil er den „verhängnisvollen Rechtskurs der Partei schon lange innerlich abgelehnt“ hatte. 1966 trat er in die SPD ein.
Die Kieler Ratsversammlung ehrte den „Mann der ersten Stunde“ 1971 mit der Verleihung der neu geschaffenen Andreas-Gayk- Medaille. Am 8. November 1982 verstarb Dr. Max Emcke in Kiel.

Christa Geckeler

Literatur
Dopheide, Renate: Kiel, Mai 1945. Britische Truppen besetzen die Kriegsmarinestadt, Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 83, Kiel 2007, S. 104-112
Rickers, Karl: Erinnerungen eines Kieler Journalisten 1920-1970, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 24, Neumünster 1992, S. 263-267, 269
Zeitungen
Kieler Nachrichten vom 21. Juli 1962, vom 3. November 1966, vom 21. Juli 1972, vom 22. Juli 1982, vom 12. November 1982