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Willi Koch (1903 - 1968)

Oberbürgermeister Willi Koch
Oberbürgermeister Willi Koch

Willi Koch wurde am 23. September 1903 in Neustadt in Holstein als Sohn eines Konrektors geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Eutin und Oldesloe. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Publizistik mit dem Ziel, Journalist zu werden. 1924 kam er als Kaufmann nach Kiel, wo er 1927 eine Großhandlung erwarb.
Koch war einer der Ersten, der sich nach 1945 in Kiel für die Demokratie einsetzte. Zusammen mit Max Emcke und dem späteren Landesvorsitzenden Carl Schröter gründete er in Kiel die CDU. Auch auf Bundesebene gehörte er zu den Gründungsmitgliedern dieser Partei. Von der britischen Militärregierung wurde Koch als Ratsherr in die Kieler Stadtvertretung entsandt und dort zum Stadtrat gewählt. Als Oberbürgermeister Otto Tschadek im März 1946 in seine österreichische Heimat zurückging, musste ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden. Die Sozialdemokraten sprachen sich für Andreas Gayk aus, die bürgerlichen Kreise aber gegen ihn. Da Gayk nicht mit den Stimmen der Kommunisten Oberbürgermeister werden wollte, wurde Willi Koch von der CDU, der SPD und der KPD am 11. März 1946 zum Oberbürgermeister gewählt. Durch Absprache zwischen CDU und SPD erhielt Andreas Gayk das Amt des Bürgermeisters.

Von Willi Koch hängt ein Bild in der Porträtgalerie im Rathaus.

Im Einsatz für den wirtschaftlichen Wiederaufbau

In seiner nur kurzen Amtsperiode sah Willi Koch es als sein Hauptanliegen an, zusammen mit Andreas Gayk mit der britischen Militärregierung wegen der beabsichtigten Sprengungen der Hafen- und Werftanlagen auf dem Ostufer zu verhandeln. Koch erklärte am 6. Mai 1946: „Sollten sich die Befürchtungen einer beabsichtigten völligen Zerstörung auf dem Ostufer bestätigen, so würde damit Kiel ein Schlag zugefügt, von dem es sich nicht erholen kann. Wir alle wollen beim Wiederaufbau anpacken und werden es tun, so lange man uns nicht Aufbaumöglichkeit und Aufbauwillen dadurch zerschlägt, dass man dem Aufbau durch zu weitgehende Zerstörungen jegliche Grundlage entzieht.“ Am 13. Mai riefen Oberbürgermeister und Bürgermeister zu einer Großkundgebung vor dem Rathaus auf. Viele Tausend Kieler erschienen. Kochs Rede gegen die Demontage und für den Aufbau einer Friedensindustrie auf dem Ostufer, um in Kiel neue Arbeitsplätze zu schaffen, wurde immer wieder von Beifall unterbrochen. Am 13. Oktober 1946 fand die erste Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg in Schleswig-Holstein statt. Die SPD wurde in Kiel die stärkste Partei und Andreas Gayk am 18. Oktober zum Oberbürgermeister gewählt, der damit Willi Koch ablöste. Dieser verabschiedete sich jedoch nicht aus der Politik. Dem zweiten ernannten und dem ersten gewählten Landtag in Schleswig-Holstein gehörte er von 1946 bis 1950 an. Wirtschafts- und Schulpolitik waren seine Schwerpunkte. Vehement kämpfte er gegen die Verstaatlichung der Industrie und eine sozialistische Schulreform.

Verleger der "Kieler Nachrichten"

Im März 1946 erhielt Willi Koch von der britischen Militärregierung die Lizenz für die „Kieler Nachrichten“. Nun endlich erfüllte sich sein Jugendtraum, publizistisch tätig sein zu können. Koch wurde Mitherausgeber und später bis zu seinem Tod Verleger der Kieler Nachrichten. Über das  Ziel einer Zeitung schrieb er: „Die erste und letzte Aufgabe unserer Zeitung sollte es sein, ... den Leser zu sachlicher und geistiger Auseinandersetzung anzuregen ... und ihm ein wirklichkeitsgerechtes Bild zu vermitteln ohne Furcht vor jedermann.“
1965 wurde Willi Koch das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er starb am 19. Juni 1968 in Kiel.

Christa Geckeler


Grieser Helmut: Wiederaufstieg aus Trümmern (1945 bis in die Gegenwart), in: Jürgen Jensen, Peter Wulf (Hg.): Geschichte der Stadt Kiel, Neumünster 1991, S. 415
Gerhard, Torsten: Koch, Willi, in: Doris Tillmann, Johannes Rosenplänter (Hg.): Kiel Lexikon, Neumünster 2011, S. 193
Martens, Holger: Zur Rolle von Andreas Gayk in der Kommunal- und Landespolitik 1945-1954, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 79, 1999, S. 245
Zeitungen
Kieler Nachrichten vom 17. März 1965, vom 20. Juni 1968
Kieler Kurier vom 20. März 1946
Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 20. Juni 1968