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100 Jahre Kieler Rathaus

Wie die Melodie zum Glockenspiel kam

Ansicht der Glocken von unten
"Kiel hat kein Geld..." spielen diese
Glocken im Rathausturm  -  Foto: Bodo Quante

In Kiel ist sie stadtweit bekannt: die Melodie des Glockenspiels. Der Turm des Rathauses, der für die Kielerinnen und Kieler richtungsweisend ist, beherbergt im elften Stock ein Läutwerk, das fünf Glocken zum Klingen bringt.

Zu jeder vollen Stunde kann man
16 Glockenschläge und den Stundenschlag hören. Vier Glockenschläge zeigen die Viertelstunde, acht die halbe Stunde und zwölf die Dreiviertelstunde an. Eine der Glocken gibt den Stundenschlag an.

Das Glockenspiel als Klingelton

Die Rathausglocken gibt es jetzt zum Mitnehmen. Sie können die Glockentöne hier anhören. Und Sie können sich nun einen originellen Kiel-Klingelton auf Ihr Telefon holen.

Für das Herunterladen mit der rechten Maustaste auf die jeweilige Datei klicken und Ziel speichern unter wählen. Anschließend können Sie entscheiden, wohin Sie den Klingelton speichern.

Zum Herunterladen:
Die Rathausglocken als MP3-Klingelton
Die Rathausglocken als M4R-Klingelton für iPhone

Ein Stück Heimat

Sechs Monate vor der Rathauseinweihung, am Sonntag, 28. Mai 1911, ertönten die Glocken zum ersten Mal. Die Melodie des Glockenspiels ist den Kielerinnen und Kielern schnell zu einem Stück Heimat geworden.

So schrieb beispielsweise die damalige Leiterin des Städtischen Archivs Dr. Hedwig Sievert, die von 1939 bis 1972 tätig war, in einem Bericht in „Schleswig-Holstein“ vom Juni 1959, dass einige Kielerinnen und Kieler, die für längere Zeit im Ausland unterwegs waren, sich nach der Melodie der Heimat sehnten. So sehr, dass sie sich eine Schallplatte mit dem vertrauten Klang wünschten. An Klingeltöne war damals noch gar nicht zu denken.

Big Bens Kieler Schwester

Doch wie ist eigentlich die Melodie zum Glockenspiel gekommen? Oberbürgermeister Paul Fuß hatte den Königlichen Musikdirektor Heinrich Johannsen nach der Fertigstellung des Rathauses beauftragt, eine Melodie für das Glockenspiel des Rathausturms zu komponieren.

Heinrich Johannsen schrieb später Hedwig Sievert, dass er dafür vier Töne ausgewählt hatte, die auch beim Westminsterschlag (des berühmten Londoner Glockenturmes "Big Ben") verwendet werden.

Vergleicht man die Noten (zum Beispiel bei Wikipedia, Stichwort „Westminsterschlag“), so fällt auf, dass die Kieler Rathausglocken - vereinfacht gesagt - den Westminsterschlag in umgekehrter Reihenfolge abspielen, wenn auch etwas modifiziert.

Das Glockenspiel quälte Karajan und verzauberte Kiel

Bei den Kielerinnen und Kieler war die eingängige Melodie so beliebt, dass noch 1911 die Kieler Uhrmacherfirma Heibel, damals Holstenstraße 8, Standuhren mit der gleichen Melodie herstellte und verkaufte. Eine dieser Standuhren muss durch einen Zufall auch nach Italien gelangt sein: Der Bruder von Hedwig Sievert berichtete, dass er die Kieler Stadtmelodie in einem Hotel in Piombino (bei Livorno) gehört hatte.

Einem Artikel des Kieler Express von 1983 ist zu entnehmen, dass in den 50-er Jahren vor einem Konzert mit Dirigent Herbert von Karajan in der Ostseehalle die Glocken des Rathauses abgestellt wurden: Karajan wollte nicht von den Glocken gestört werden. Deshalb blockierte Rathausmitarbeiter Heinrich Klein damals die Klöppel mit einem Brett und stellte somit die Glocken für drei Stunden still: Das Konzert war ein Erfolg. Heute wird das Läutwerk täglich gegen 23 Uhr ausgestellt und erst wieder um 6 Uhr angestellt. Damit wird den Anwohnerinnen und Anwohnern eine ruhige Nacht gewährt.

Noch immer weist uns die hübsche Melodie den Weg in das Herz der Stadt. Zur bekannten Melodie des Glockenspiels gibt es seit vielen Jahren einen Vers: „Kiel hat kein Geld, das weiß die Welt, ob’s noch was kriegt, das weiß man nicht“. 

Wie der Vers zur Melodie kam, erfahren Sie hier.

 

Text: Anna-Sophie Börries