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Grundsätze und Kriterien der Bewertung

Beim Vorlesewettbewerb geht es nicht um das möglichst fehlerfreie Abspulen eines einstudierten Textes.

Grundlage für gutes Vorlesen ist, daß das Kind seinen ausgewählten Textabschnitt in Beziehung zur Gesamthandlung des Buches stellen und damit für alle Zuhörenden verständlich machen kann. Das setzt die Kenntnis des vollständigen Buchinhalts voraus.

Die Titelwahl sollte der Altersstufe und dem Verständnis des Kindes sowie den Spielregeln entsprechen. Da nicht alle Kinder im freien Sprechen gleich talentiert sind, spielt es bei der Bewertung eine untergeordnete Rolle, ob sie eigenständig eine kurze Einführung formulieren oder die inhaltlichen Zusammenhänge auf Nachfrage wiedergeben können.

Die Beherrschung der formalen Lesetechniken - deutliche Aussprache, sinngemäße Betonung, angemessenes Lesetempo - ist ebenfalls Voraussetzung für gutes Vorlesen. Versprecher sollten nicht überbewertet werden!

Schließlich ist zu beurteilen, inwieweit es dem Kind gelingt, durch sein Vorlesen das Publikum zu erreichen und für das Buch, aus dem es liest, zu interessieren. Dabei ist bei Veranstaltungen mit hoher Teilnehmerzahl die Reihenfolge der vorlesenden Kinder zu berücksichtigen, da die Aufmerksamkeit beim Zuhören mit fortschreitender Zeit nachläßt.

Engagiertes Vorlesen ist nicht mit Schauspielerei zu verwechseln. Die vom Text ausgehende Atmosphäre läßt sich auch ohne übertrieben inszenierte und spürbar einstudierte Gestik vermitteln.


Bewertungskriterien

1. Textverständnis
Ist die Text- bzw. Buchauswahl dem Verständnis des Kindes angemessen?
Gelingt es dem Kind, den Bezug zur Gesamthandlung des Buches herzustellen?
Kann es (selbständig oder auf Nachfragen) in kurzen, eigenen Wortes die inhaltlichen Zusammenhänge und Hintergründe seiner Textstelle vermitteln?
Ist der vorbereitete Textabschnitt schlüssig - Anfang und Ende verständlich?
Stimmt die Zeitplanung, ohne dass die Jury unterbrechen muss, weil die vorgegebene Lesezeit (3 - 5 Minuten) weit überschritten wurde?

2. Lesetechnik
Verfügt das lesende Kind über die erforderliche Lesetechnik, den Text flüssig und sicher zu beherrschen (deutliche Aussprache, stimmliche Möglichkeiten, angemessenes Lesetempo, sinngemäße Betonung)? Versprecher nicht überbewerten!

3. Textgestaltung
Inwieweit gelingt es, Stimmung und Atmosphäre des Textes einzufangen und umzusetzen? Nicht gemeint sind übertriebene schauspielerische Darbietungen!

4. Lesen eines unbekannten Textes
Aus einem vorher von Jury und Veranstalter ausgewählten Buch lesen die Kinder reihum fortlaufend vor (Lesezeit: jeweils 2 - 3 Minuten). Zur Bewertung können hierfür nur die Bewertungskriterien Lesetechnik und (bedingt) Textgestaltung angewandt werden.
Sollten nicht alle Teilnehmer/innen zusätzlich einen unbekannten Text vorlesen, einigt sich die jeweilige Jury darüber, welche Kinder in die engere Wahl genommen werden.

Wer bewertet?

Bei Klassen- und Schulentscheiden übernehmen Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte die Punktvergabe.

Für die regionalen Wettbewerbsveranstaltungen stellen die verantwortlichen Organisatoren eine Jury aus 5 oder 7 Personen zusammen - vorzugsweise aus Bereichen, die mit Kinder- und Jugendliteratur befasst sind, wie z.B. Buchhandel, Bibliotheken, Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen, sowie lesefreudige Kinder (z.B. Vorjahressiegerinnen oder -sieger) und Jugendbuchautoren.

Die Entscheidung der Jury ist nicht anfechtbar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!