Ehrengräber in Kiel

Gottfried Hansen, Admiral

* 08.11.1881 in Rendsburg

+16.07.1976 in Kiel

Das Ehrengrab befindet sich auf dem Nordfriedhof, Feld Y, Nr. 216-217.

Das Grab Gottfried Hansens auf dem Nordfriedhof
Das Grab Gottfried Hansens auf dem Nordfriedhof

Admiral Gottfried Hansen wurde 1976 in einem Ehrengrab auf dem Nordfriedhof bestattet. Der Beschluss über das Ehrengrab wurde nicht von der Stadt Kiel, sondern von der Marineintendantur gefällt, in deren Verantwortung der frühere Garnisonfriedhof stand. Diese Zusage muss vor Ende des 2. Weltkriegs zu Lebzeiten Hansens getroffen worden sein.

Als 1948 die Stadt Kiel den Nordfriedhof zunächst als Pächter übernahm, sicherte sie zu, die Ehrengrabstätten auf dem Nordfriedhof weiter aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund bestätigte die Ratsversammlung 1968 das Ehrengrab für Gottfried Hansen, der zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war.

Gottfried Hansen erlebte eine rasante Marinekarriere, in deren Verlauf er der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine in der Weimarer Republik und schließlich als reaktivierter Admiral auch der Kriegsmarine im Nationalsozialismus angehörte.

Gottfried Hansen trat 1898 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach Kommandos auf verschiedenen Kreuzern war Hansen als Kapitänleutnant von 1911 bis 1914 Erster Artillerieoffizier an Bord des Linienschiffes „Schleswig-Holstein“. Es folgten Einsätze als Stabsoffizier im Stab der Admiräle Scheer und Hipper auf verschiedenen Kriegsschiffen. Hansen war als Zweiter Stabsoffizier von Admiral Hipper verantwortlich beteiligt an der Skagerrakschlacht.

Nach dem Krieg war er sechs Jahre in der Marineleitung tätig, 1925/26 Kommandant der Linienschiffe „Braunschweig“ und „Schleswig-Holstein“. Es folgten zwei Jahre als Inspekteur der Marine-Artillerie und 1928 die Beförderung zum Konteradmiral unter gleichzeitiger Ernennung zum Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel. 1930 stieg er in den Rang eines Vizeadmirals auf, 1932 erfolgte die Versetzung in den Ruhestand im Rang eines Admirals.

Ab 1938 gab Hansen im Auftrag der Kriegsmarine das Jahrbuch „Nauticus. Jahrbuch für deutsche Seeinteressen“ heraus, das nun erstmals seit 1915 wieder erschien. Von 1941 bis 1943 wurde Admiral Hansen reaktiviert als Leiter des Luftwaffenlehrstabes im Oberkommando der Kriegsmarine.

Höchstwahrscheinlich geht seine Reaktivierung auf einen weiterhin vertrauten Umgang mit dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Erich Raeder zurück, mit dem er bereits im Stab von Vizeadmiral Hipper gewesen und dem er als Chef der Marinestation nachgefolgt war. Der enge Kontakt zu Raeder spiegelt sich im Jahrbuch „Nauticus“. Hansen verfasste hier stets das Vorwort, ohne weitere eigene Beiträge zu liefern. Er bewegte sich in seinen Vorworten und in der Auswahl der Beiträge auf der Linie Raeders, dessen Ziel die Etablierung Deutschlands als Seemacht war und der damit die kaiserzeitliche Marinetradition mit der nationalsozialistischen Expansionspolitik in Einklang brachte.

„Nauticus“ war kein vordergründiges Propagandainstrument, es beschäftigte sich mit Fragen der weltweiten Seerüstung, der Handels- und Verkehrswege, des Seekriegsrechts oder der Funktion von Seemacht. Es begleitete das aktuelle Marinegeschehen und mit Band 1940 die Kriegsentwicklung. Dabei waren der Führerstaat und die nationalsozialistische Aufrüstungs- und Kriegspolitik die selbstverständlichen Koordinaten, in denen sich die Beiträge bewegten, die sich im Übrigen sachlich gaben. Gottfried Hansen allerdings bediente in seinen Vorworten den Führerkult, so etwa im Band 1944: „Unbeugsamkeit und Härte des Willens, die zu uns aus dem Führer unseres Volkes spricht, sein Glaube, seine Zuversicht muß und wird jeden Deutschen erfüllen und ihn stark machen durchzuhalten bis zum siegreichen Ende des Kampfes.“ So trug Hansen zur Legitimation der nationalsozialistischen Kriegführung zur See bei.

Nach Kriegsende wurde Hansen zu einem führenden Verbandsfunktionär entlassener Berufssoldaten. Hansen wurde 1949 Vorsitzender des „Bundes versorgungsberechtigter ehemaliger Angehöriger der Wehrmacht und ihrer Hinterbliebenen“ (BvW). Seit 1952 war er Vorsitzender des Verbands Deutscher Soldaten.

Die zentrale Frage blieb für Hansen die materielle Versorgung von Berufssoldaten, wobei Hansen insbesondere an Offiziere und Unteroffiziere dachte. Die Versorgungsfrage war aber untrennbar mit einer geschichtspolitischen Frage verbunden, der Frage der Wiederherstellung der „Soldatenehre“. Hansen propagierte den Mythos der „Soldatenehre“, nach dem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg soldatisch einwandfrei gewesen sei und mit nationalsozialistischen Verbrechen nichts zu gehabt habe. In diesem Zusammenhang setzte sich Hansen auch für die als Kriegsverbrecher verurteilten ehemaligen Großadmiräle Raeder und Dönitz ein.

Schließlich stand der Verband auch für eine Politik der Wiederbewaffnung: nicht nur aus Gründen soldatischer Tradition, sondern auch aus der Vertretung materieller Interessen heraus. Für diese Tätigkeit erhielt Hansen unter anderem 1961 das Große Verdienstkreuz mit Stern vom Bundespräsidenten. Es mag sein, dass die Soldatenverbände die ehemaligen Berufssoldaten in die neu gegründete Republik integrierten; unbestritten ist aber auch, dass die Soldatenverbände am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums navigierten.

Die Biographie Hansens ist noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet und daher nicht abschließend zu bewerten. Fragen werfen seine Haltung zur Weimarer Republik, seine Publizistentätigkeit zugunsten der nationalsozialistischen Seekriegspolitik und seine Verschleierungspolitik als Verbandsfunktionär auf. Der Skagerrak-Veteran erwies sich als ideale Projektionsfigur für Marinetraditionen von der Kaiserzeit bis in die junge Bundesrepublik.