Ehrengräber in Kiel

Gustav Adolf Neuber, Chirurg

* 24.06.1850 in Tondern

+13.04.1932 in Kiel

Das Ehrengrab befindet sich auf dem Südfriedhof, Feld Q, Nr. 73-76.

Das Grab Neubers auf dem Südfiedhof
Das Grab Neubers auf dem
Südfriedhof

Neuber nahm als Freiwilliger am Krieg 1870/71 im Husarenregiment 11 teil. Von 1871 bis 1875 studierte er Medizin in Halle, Tübingen und Kiel, promovierte in Gießen zum Dr. med. und bestand im Dezember 1875 in Kiel das medizinische Staatsexamen.

Von 1876 an war er Assistent an der chirurgischen Klinik unter Friedrich Esmarch. Von September bis November des gleichen Jahres ließ er sich freistellen um als Oberstabsarzt in der serbischen Armee im Zuge des serbisch-türkischen Krieges zu arbeiten. 1878 rückte er zum 1. Assistenten auf und habilitierte sich mit einer Arbeit über die künstliche Blutleere. Bis 1884 war Neuber als Privatdozent die rechte Hand des berühmten Chirurgen Esmarchs und vertrat ihn oft während dessen Abwesenheit als Lehrer und Klinikleiter.

Neuber kam zu der Überzeugung, dass die Erkenntnisse aus der berühmten Arbeit „Untersuchungen über die Äthologie der Wundinfektionskrankheiten“ von Robert Koch aus dem Jahr 1878 für die Behandlung infizierter Wunden und die Ausschaltung der Infektion während der Operation nutzbar gemacht werden müssten.

Da Esmarch diesen Gedankengängen nicht folgte, kam es zu Zwistigkeiten zwischen ihm und Neuber, die sich bis zu persönlichen Angriffen, Verdächtigungen und Verleumdungen steigerten. Sie führten zum Ausscheiden Neubers aus der Universitätsklinik, 1891 auch zur Niederlegung seiner Dozentur.

Er übernahm eine eigene neu erbaute Klinik am Königsweg in Kiel. Dieser Schritt leitete in der Chirurgie und dem Krankenhauswesen eine neue Zeit ein. Er baute die Klinik nach eigenen Vorstellungen mit denen er als erster die heutigen Prinzipien der Asepsis verwirklichte und für das Krankenhaus und seine Einrichtung in der medizinischen Welt richtungsweisend wurde. 1919 übergab Neuber die Klinik am Königsweg dem Kieler Anscharkrankenhaus, welches heute nach einem Umbau Elisabethkrankenhaus heißt. 

Neuber nahm auch am kommunalen Leben der Stadt Kiel regen Anteil und war von 1889 bis 1900 Stadtverordneter. Während dieser Zeit widmete er sich vorwiegend Bebauungsplänen und der Einrichtung von Kleingärten.

1895 erhielt er den Titel Geheimer Sanitätsrat, 1901 wurde er Generalarzt der kaiserlichen Marine. Eine besondere Ehrung bedeutete 1911 die Berufung in das Preußische Herrenhaus. Zu seinem 70. Geburtstag verlieh die Philosophische Fakultät der Kieler Universität Neuber die Ehrendoktorwürde. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ernannte Neuber 1923 zu ihrem Ehrenmitglied.

Quelle: Hans-F. Rothert (Hg.): Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 55, Neumünster 2006, S. 242-243.