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Glossar der Kindertagesbetreuung

Erläuterungen der Betreuungsformen

In der Kindertagesbetreuung gibt es verschiedene Betreuungsarten. Diese unterscheiden sich beispielsweise durch das Alter der Kinder, den pädagogischen Ansatz oder die Örtlichkeit der Betreuung. Damit sich (werdende) Eltern vorab einen Überblick verschaffen können, werden die unterschiedlichen Betreuungsformen im Rahmen der öffentlich geförderten Kindertagesbetreuung nachfolgend erläutert. Dabei wird zum Teil Bezug auf verschiedene Rechtsquellen genommen. Diese werden wie folgt abgekürzt:

  • KiTaG: Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflegestellen (Kindertagesstättengesetz)
  • KiTaVO: Landesverordnung über Mindestanforderungen für den Betrieb von Kindertagesein-richtungen und für die Leistungen der Kindertagespflege (Kindertagesstätten- und -tagespflegeverordnung)
  • SGB VIII: Achtes Buch Sozialgesetzbuch - Kinder und Jugendhilfe

Für einen schnellen Überblick, welche Betreuungsformen für welche Altersgruppen in Betracht kommen, gibt es hier eine entsprechende Kurzübersicht als Download.

Die Betreuungsformen (alphabetisch)

Altersgemischte Gruppe

Die altersgemischte Gruppe ist eine Betreuungsform mit einer besonderen Zusammensetzung, die im Regelfall aus 5 unter 3-jährigen und 10 über 3-jährigen Kindern besteht. Es besteht die Möglichkeit der Flexibilisierung laut § 8 Abs. 3 KiTaVO. Einer der Vorteile einer altersgemischten Gruppe liegt darin, dass Kinder vom ersten Betreuungstag an bis zum Schuleintritt durchgehend in ihrer Gruppe bleiben können und somit größtmögliche Kontinuität in den Beziehungen erfahren.

 

Betreute Grundschule

Seit vielen Jahren sind Betreute Grundschulen ein fester Bestandteil der Schulkindbetreuung in Kiel und stellen eine verlässliche Betreuungsform für die Stadt dar. In den durch ehrenamtliche Vorstände und freie Träger der Jugendhilfe geführten Einrichtungen, die sich entweder in Räumen der Schule oder in direkter Nähe befinden, werden vor und nach der verlässlichen Unterrichtszeit Schulkinder der 1. bis 4. Klassenstufe betreut. Die meisten Betreuten Grundschulen bieten in Kiel ein warmes Mittagessen sowie Betreuungszeiten bis ca. 16 Uhr (und häufig darüber hinaus) an. Sie ermöglichen außerdem eine umfangreiche Ferienbetreuung. Mehr zum Thema Betreute Grundschulen hier.

 

Betriebliche Kindertagesstätte

Bei dieser Betreuungsform handelt es sich um Betreuungsplätze, die von Unternehmen lediglich für die eigenen Beschäftigen vorgehalten werden und somit nicht von allen Eltern in Anspruch genommen werden können. Einige Unternehmen bieten jedoch auch Betreuungsplätze für nichtbetriebsangehörige Eltern an.

 

Elementargruppe

In Elementargruppen werden bis zu 22 Kinder im Alter von 3 Jahren bis zur Einschulung betreut. Diese Gruppenform findet sich sowohl in Kindergärten als auch in Kindertagesstätten und Kinderhäusern wieder.

 

Familienzentrum

Familienzentren sind Orte der Begegnung für Familien. Sie orientieren sich an den Bedingungen und Erfordernissen im jeweiligen Sozialraum und vernetzen Angebote, die bisher oft voneinander getrennt waren. Angelehnt an das Konzept der "Early Excellence Center" aus England, werden Eltern als Experten für ihre Kinder in die Bildungs- und Entwicklungsprozesse einbezogen. Eltern können aktiv die Angebote des Familienzentrums mitgestalten. In Elternbefragungen werden die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse konkret erfasst und im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten umgesetzt. So finden z. B. gemeinsame Kochveranstaltungen, Sport- und Kreativangebote, Sprachkurse, Themenelternabende, Beratungs- und Bildungsangebote im Familienzentrum selbst oder wohnortnah statt. Die Teams der Familienzentren ermöglichen den Familien umfassende Beratung und Begleitung und erleichtern den Zugang zu den Angeboten im Stadtteil.

 

Gebundene Ganztagsschule

In Gebundenen Ganztagsschulen wird allen Schülerinnen und Schülern an fünf Tagen pro Woche ein ganztägiges, verbindliches Unterrichts- und Betreuungsangebot ermöglicht. Im Rahmen des Schultages wird ebenfalls die Einnahme ein warmes Mittagessen ermöglicht. Für die Betreuung während der Schulzeiten wird kein Elternbeitrag erhoben. Zum 1. Januar 2015 wurde an den Kieler Gebundenen Ganztagsschulen eine einheitliche Randzeiten- und Ferienbetreuung eingeführt. Damit finden Eltern am jeweiligen Schulstandort ein umfängliches und verlässliches Betreuungsangebot vor, das ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Für die Randzeiten- und Ferienbetreuung wird ein einkommensabhängiger Elternbeitrag erhoben.

 

Hort

Horte können sowohl als eigenständige Einrichtungen als auch in Form einer Gruppe innerhalb einer Kindertagesstätte bestehen und bieten Grundschulkindern mit bis zu 20 Plätzen in der Regel vor und nach der verlässlichen Unterrichtszeit eine Betreuung. Die Kinder verlassen den Hort spätestens im Alter von 14 Jahren, erfahrungsgemäß jedoch eher zwischen 10 und 12 Jahren. Die Öffnung zur Schule und zu anderen institutionellen Betreuungsangeboten bestimmt zunehmend die konzeptionelle Ausrichtung der Horte.

 

Integrative Gruppe

Bei dieser Betreuungsform handelt es sich um eine Elementargruppe, deren Kapazität jedoch mit bis zu 15 Plätzen begrenzt ist. Es findet eine gemeinsame Betreuung von bis zu 4 Kindern mit Behinderung und bis zu 11 Kindern ohne Behinderung statt.

 

Kindergarten

Einrichtungen, in denen ausschließlich Kinder ab dem vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Schuleintritt betreut werden, bezeichnet man als Kindergärten. In diesen Einrichtungen wird weder eine Krippen- noch eine Hortbetreuung angeboten, sodass eine Anschlussbetreuung in derselben Einrichtung nicht zur Verfügung steht.

 

Kindergartenähnliche Einrichtung

Dieses Betreuungsangebot erfüllt nicht in vollem Umfang die personellen, räumlichen, zeitlichen und organisatorischen Mindestanforderungen für Kindertagesstätten. Betreuungsplätze in kindergartenähnlichen Einrichtungen werden als Betreuungsform von Eltern gewählt, denen ein begrenztes Betreuungsangebot für ihr Kind ausreicht.

 

Kinderhaus

In Kinderhäusern werden Kinder von 0 bis unter 14 Jahren betreut. Hinzu kommen unterschiedliche familienunterstützende Angebote. Inhaltlich orientiert sich die Arbeit im Gegensatz zu einer Kindertagesstätte stärker an der Erschließung des Alltags sowie des Wohngebiets und bezieht dabei die Eltern und das Gemeinwesen mit ein. Offene Türen nach innen und außen signalisieren, dass das Kinderhaus auch Menschen aus dem Umfeld willkommen heißt. Zum Prinzip der Öffnung gehört die Offenheit für die Eltern. Sie sind nicht nur Helfende, z. B. bei Ausflügen, sondern auch Mitplanende, Anregende und Ratsuchende.

 

Kinderladen

Ein Kinderladen ist grundsätzlich ein ("alternativer") Kindergarten, in dem durchschnittlich 15 bis 19 Kinder im Alter vom vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Schuleintritt betreut werden. Geführt wird diese Art der Einrichtung häufig von Trägervereinen in Form von Elterninitiativen. Die Bezeichnung leitet sich aufgrund der Nutzung von oft ehemaligen Ladenräumen her. In Kiel besteht kein echter Kinderladen mehr, es wird trotz unterschiedlichster Lage und Gruppenstruktur lediglich die Bezeichnung verwendet.

 

Kindertageseinrichtung

Das KiTaG definiert in § 1 Kindertageseinrichtungen als "…sozialpädagogische Einrichtungen, in denen Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und in begründeten Einzelfällen darüber hinaus ganztags oder für einen Teil des Tages regelmäßig gefördert werden". Zu den Kindertageseinrichtungen im Sinne des KiTaG gehören Kindertagesstätten und kindergartenähnliche Einrichtungen.

 

Kindertagespflege

Eine weitere Betreuungsform für unter 3-jährige Kinder ist die Tagespflege. In Kiel wird unterschieden zwischen freiberuflich tätigen Tagespflegepersonen und Tagespflegepersonen, die bei freien Trägern (AWO und Pädiko) sozialversicherungspflichtig angestellt sind. In Tagespflegestellen werden Kinder regelmäßig von geeigneten Tagespflegepersonen in ihrem eigenen Haushalt, im Haushalt der Personensorgeberechtigten oder in anderen geeigneten Räumen betreut und gefördert (§ 2 Abs. 1 KiTaG). Die Kindertagespflege soll die möglichst familienähnliche Betreuung, Erziehung und Bildung eines Kindes gewährleisten sowie eine enge persönliche Bindung des Kindes an die Tagespflegeperson und an ein häusliches Umfeld fördern (§ 12 Abs. 1 KiTaVO).

In der Abteilung Kindertagesbetreuung des Amtes für Kinder- und Jugendeinrichtungen ist das Servicebüro Kindertagesbetreuung integriert. Hier werden unter anderem freiberuflich tätige Tagesmütter und -väter vermittelt, Tagespflegepersonen und Eltern beraten, Pflegeerlaubnisse erteilt sowie Fortbildungsmaßnahmen für Tagespflegepersonen organisiert. Mehr zum Thema Tagespflege hier.

 

Kindertagesstätte

In Kindertagesstätten werden Kinder im Alter von 0 bis unter 14 Jahren in Krippen, Kindergärten, Horten und Kinderhäusern betreut. Dort können Eltern einen Betreuungsumfang von täglich 4 bis 8 Stunden wählen. Sofern keine Beschränkung des Betreuungsangebots auf eine bestimmte Altersgruppe vorliegt, besteht der Vorteil hierbei in der Möglichkeit der Anschlussbetreuung innerhalb derselben Einrichtung beim Wechsel der Altersgruppen.

 

Krippe

In Krippengruppen werden bis zu 10 Kinder unter 3 Jahren betreut. Diese Betreuungsform findet sich einerseits in reinen Krippeneinrichtungen, andererseits in Einrichtungen mit einem gemischten Betreuungsangebot, bei denen die Möglichkeit besteht, eine Anschlussbetreuung in Anspruch zu nehmen. Kinder der reinen Krippeneinrichtungen verlassen diese grundsätzlich mit Vollendung des 3. Lebensjahres.

 

Offene Ganztagsschule

Im Anschluss an den Unterricht besteht bei Offenen Ganztagsschulen für Schülerinnen und Schüler, die Angebote am Nachmittag wahrnehmen, die Möglichkeit, ein warmes Mittagessen einzunehmen. An den Offenen Ganztagsschulen in Kiel nehmen Grundschülerinnen und Grundschüler das dortige Angebot an mindestens drei Tagen pro Woche in Anspruch, die Tendenz geht sogar eher in Richtung fünf Tage pro Woche. Für die Bereitstellung werden teilweise Elternbeiträge erhoben. Betreute Grundschulen, die sich an diesen Standorten befinden, entwickeln seit Inkrafttreten der Richtlinie über die Förderung von Ganztagsangeboten an Offenen Ganztagsschulen mit der Offenen Ganztagsschule gemeinsame Regelungen über das Betreuungsangebot an der Schule.

 

Offene Ganztagsschule mit bedarfsorientierter Betreuung

Diese Betreuungsform zeichnet sich durch eine Verzahnung von Offenem Ganztag und Betreuter Grundschule aus. Schülerinnen und Schüler haben auch bei dieser Betreuungsform die Option, im Anschluss an den Unterricht ein warmes Mittagessen einzunehmen sowie Freizeitangebote wahrzunehmen. Gleichzeitig ist eine verlässliche Betreuung vor und nach dem Unterricht sowie in Teilen der Ferien gewährleistet, sodass Eltern ihre Berufstätigkeit ausüben können. Die Teilnahme an den Nachmittagsangeboten ist freiwillig, nach Anmeldung für ein Schulhalbjahr jedoch verbindlich. Für die Betreuungsleistungen werden einkommensabhängige Elternbeiträge erhoben.

 

Wald- und Strandgruppe

Sowohl Wald- als auch Strandgruppen sind nicht als eigenständige Form geregelt. Gemäß § 1 Abs. 3 KiTaG sind Einrichtungen, die nicht in vollem Umfang den Mindestanforderungen für Kindertagesstätten entsprechen, kindergartenähnliche Einrichtungen, wie zuvor beschrieben. Dies sind Wald- und Strandgruppen aber nicht. Sie erfüllen die rechtlichen Anforderungen des § 22 Abs. 2 SGB VIII (Entwicklung zur eigenverantwortlichen Person, Erziehung, Betreuung und Bildung, Unterstützung der Eltern bei der Erziehungsaufgabe, Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Kindererziehung). Alle Regelungen für schleswig-holsteinische Kindertagesstätten sind daher in gleicher Weise anzuwenden (z. B. Umsetzung der Bildungsleitlinien, Qualitätsentwicklung sowie Evaluation, Sprachförderung, Dokumentationspflicht nach § 8a SGB VIII, Umsetzung des Kinderschutzgesetzes und Erstellung von Entwicklungsberichten).

Wald- und Strandgruppen bedürfen einer Erlaubnis nach § 45 SGB VIII durch das schleswig-holsteinische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung (Heimaufsicht). Außerdem benötigen sie eine Nutzungsgenehmigung des Grundstückseigentümers. Für die Landeshauptstadt Kiel ist dies das Grünflächenamt. Die Gruppengröße einer Elementarwaldgruppe ist mit bis zu 20 Kindern etwas minimiert, während in einer Krippenwaldgruppe die reguläre Kapazität von bis zu 10 Kindern gilt. Auch eine Strandgruppe hat grundsätzlich die gleiche Anzahl von Betreuungsplätzen wie eine inhäusige Gruppe. Bei extremen Wetterbedingungen steht den Kindern eine Notunterkunft zur Verfügung (z. B. ein Bauwagen, ein Holzhaus, ein vorhandener Raum in einem Gebäude), die auch als Anlauf- und Treffpunkt dient.

Weitere Besonderheiten sind zum Beispiel:

  • drei bis sieben Stunden täglich frische Luft,
  • der natürliche Bewegungsdrang der Kinder kann ungehindert ausgelebt werden,
  • keine Lärmbelästigung wie in geschlossenen Räumen,
  • Stärkung der Abwehrkräfte der Kinder,
  • der Bezug zur Natur wird stärker geprägt und
  • vorgefertigtes Spielzeug wie in den Kindertageseinrichtungen ist nicht vorhanden.

 

Weitere Formen der Schulkindbetreuung

In wenigen Kindertageseinrichtungen werden neben dem regulären Gruppenangebot sogenannte pädagogische Mittagstische vorgehalten. Es handelt sich hierbei um niedrigschwellige Angebote mit kürzeren Betreuungszeiten als z. B. in Horten oder Betreuten Grundschulen. Ziel ist es, den Kindern ein warmes Mittagessen und einen kurzen Aufenthalt im Anschluss an die Schulzeit anzubieten. Pädagogische Mittagstische erhalten eine Förderung, abhängig von der Kinder- und der Betreuungsstundenzahl.