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"Zusammen kann man viel schaffen."

Das Paar J. gibt als Pflegeeltern Kindern mit Behinderung eine Chance in der Geborgenheit einer Familie aufzuwachsen. Als ihre drei heute erwachsenen Söhne im Schulalter waren, entschlossen sich Hannelore (52) und Kai J. (51)  2001 den heute 13-jährigen Luca* aufzunehmen. Sieben Jahre später, 2008, zog die einjährige Lily* zu ihnen, drei Jahre später kam Tom* in einem Alter von sechs Monaten in die Familie.

Zum Jahresende 2011 wurde auch sein Bruder Jess* als Säugling in der Familie J. aufgenommen. Im folgenden Interview beschreibt das Paar seinen Weg und wie ihre Ehe an den neuen Situationen reifte.

Was bedeutet Familie für Sie?

Zeichnung eines Korbes und dreier Äpfel

Kai J.: Liebe, Geborgenheit, Vertrauen, Stärke und Zusammenhalt.
Hannelore J.: Zusammen kann man viel schaffen.

Steckt hinter Ihrem Entschluss Kinder mit Behinderungen aufzunehmen ein sozialer Gedanke?

Hannelore J.: Wir sind zum einen Pflegeeltern geworden, weil wir Kinder und Familie lieben. Zum anderen wollen wir auch aktiv helfen, indem wir besondere Kinder aufnehmen.

Kai J.: Als Polizist und Krankenschwester haben wir oft soziale Not erlebt. Aber statt zu resignieren sagen wir: "Schwierigkeiten lassen sich lösen." Als Pflegeeltern können wir etwas bewirken. Das erleben wir Tag für Tag an der guten Entwicklung und Liebe unserer Kinder.

Wie haben Sie den Entschluss getroffen sich um besondere Kinder zu kümmern?

Eine Frau, ein Mann, eine Kinderzeichnung, Werbeplakat für Pflegefamilien

Hannelore  J.: Das war ein langwieriger Prozess. Die Erfahrung mit unseren leiblichen Kindern hat uns diesen Weg aufgezeigt. Unsere Söhne waren als Kinder öfter krank und mussten operiert werden.
Der Älteste war ein Frühchen. Die beiden Jüngeren hatten als Kleinkinder mehrfache Augen-Operationen. Heute sind sie gesund.

Aber diese nicht immer ganz einfachen Jahre vergessen wir nie. Wir sind dankbar, dass alles gut ging.

Aus dieser Dankbarkeit heraus ist die Entscheidung gereift Kindern die Geborgenheit einer Familie zu geben.

Haben Ihre leiblichen Kinder die Entscheidung mitgetragen?

Hannelore J.: Wir haben sie in alle Entscheidungen einbezogen. So waren sie gegenüber ihren neuen Geschwistern immer aufgeschlossen. Unsere Söhne haben bis zu ihrem Auszug die Entwicklung interessiert und aktiv begleitet. Ich denke, wir gaben ihnen unsere sozialen Ambitionen mit, denn alle drei erlernten einen sozialen Beruf oder studieren Pädagogik.

Wie wirkte sich die Pflegeelternschaft auf Ihre Ehe aus?

Kai J.: Familie bedeutet für uns, dass man miteinander im Kontakt bleibt. Von Beginn unserer Ehe an haben wir viel miteinander erlebt. Seitdem wir unsere Pflegekinder aufgenommen haben, achten wir noch mehr aufeinander. Geteilte Freuden und Sorgen, elementare Entscheidungen, das schweißt uns zusammen.

Hannelore J.: Seit einigen Jahren nehmen wir uns einmal im Jahr als Paar eine kurze Auszeit. Dabei unterstützen uns unsere erwachsenen Söhne, weil sie wissen, wie wichtig eine kurze Pause für uns ist, um wieder neue Energie für unsere manchmal anstrengende, aber immer wieder schöne, Aufgabe zu sammeln.

Was empfehlen Sie potenziellen Pflegemüttern und Pflegevätern?

Kai J.: Ausführliche Informationen und Gespräche mit erfahrenden Pflegeeltern helfen. Für die Entscheidungsfindung sollte man sich viel Zeit nehmen und in sich hineinhorchen. Auch ist das Vertrauen in sich wichtig mit der neuen Aufgabe zu wachsen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Pflegekinder?

Kinderzeichnung eines lächelnden Jungen auf Stelzen

Kai J.: Dass sie ihr Leben nach ihren Fähigkeiten zufrieden und glücklich gestalten können. Wir können sie nicht vor allem Schlimmen bewahren oder ihren schweren Start rückgängig machen. Aber wir hoffen, ihnen das nötige Rüstzeug für ein erfülltes Leben geben zu können.

Hannelore J.: Sie sollen wissen: Sie können auch als Erwachsene jederzeit zu uns kommen. Solange sie es wünschen erhalten sie unsere Unterstützung. Denn sie sind unsere Familie.

Liebe Frau J., lieber Herr J., vielen Dank für das Gespräch.

 
*Die Namen der Kinder wurden geändert.