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Feuerwehr & Rettungsdienst

Havarien auf See

Kiel ist eine Hafenstadt. Das potenzielle Einsatzgebiet von Feuerwehr und Rettungsdienst erstreckt sich damit auch auf Hafen und Seegebiete.

Brandbekämpfungseinheiten (BBE)

Nachdem im Oktober 1998 der Holzfrachter „Pallas“ Feuer fing und anschließend  eine gewaltige Ölkatastrophe im norddeutschen Wattenmeer verursachte, wurde im Jahre 2003 das Maritime Lagezentrum, das so genannte „Havariekommando“, mit Sitz in Cuxhaven, ins Leben gerufen. Kiel ist einer von zwölf BBE-Standorten.

Drehleiter BBE
Drehleitereinsatz bei einer Schiffsbrandbekämpfung

Verschiedene küstennahe Berufs- und größere Freiwillige Feuerwehren stellen seitdem spezielle Einsatzgruppen bereit, um im Notfall auf See Brandbekämpfung durchzuführen oder um Verletzte zu versorgen. Alarmiert und im Einsatz geführt werden die Einheiten vom Havariekommando.

Bedingt  durch die Größe der Kieler Berufsfeuerwehr werden hier jeweils eine Brandbekämpfungseinheit (BBE) und ein Verletztenversorgungsteam (VVT) ständig einsatzbereit vorgehalten.

Bei der Berufsfeuerwehr Kiel gibt es elf Einsatzleiter, 14 Gruppenführer und 38 Truppführer, die speziell für den BBE-Einsatz ausgebildet sind. Eine BBE besteht aus zehn Einsatzkräften: ein Einsatzleiter, ein Gruppenführer, acht Truppführer.

Für die BBE stehen an allen Standorten spezielle Ausrüstungen für Brandbekämpfung, Gefahrguteinsätze und Menschenrettung zur Verfügung.

Die Ausrüstung ist auf einem Abrollbehälter in Gitterboxen verstaut, die bei landseitiger Anfahrt zum Einsatzort mit einem Wechselladerfahrzeug transportiert. Bei Bedarf wird die Ausrüstung mit dem Kran des Wechselladerfahrzeugs auf ein Hilfsschiff verladen und dann zum Havaristen transportiert.

BBE-Trupp
BBE-Einheit wird abgesetzt

BBE im Einsatz
BBE-Mitglied beim Abstieg

Für den Transport von Ausrüstung mit einem Hubschrauber wird ein speziell entwickelter Transportkorb genutzt.

Die Mitglieder der BBE tragen neben ihrer persönlichen Schutzausrüstung für die Brandbekämpfung und Gefahrguteinsätze während der Fahrt beziehungsweise dem Flug zum Havaristen einen Überlebensanzug und eine Rettungsweste.

Verletztenversorgungsteam (VVT)

Auf hoher See ist die Notfallrettung anspruchsvoller als an Land und somit sind die Kollegen auch entsprechend geschult und weiter ausgebildet worden. In der Grundausbildung zum Retter auf See gehören Auf- und Abseilen am Hubschrauber (das sogenannte Winschen), das Überlebenstraining auf See, sowie spezielle Schulungen in der Notfallrettung mit Schwerpunkt der Seerettung.

Außerdem findet ein Training zum Verlassen des Hubschraubers unter Wasser statt, falls der Hubschrauber notwassern muss.

VVT im Transportkorb
Notfallrettung durch das Verletztenversorungsteam

Im Einsatz bildet sich innerhalb kürzester Zeit ein Notfallteam. Dieses Team besteht aus einem Leitenden Notarzt (LNA), einem Notarzt (NA) sowie vier Notfallsanitätern, wovon mindestens einer die Qualifikation zum Organisatorischen Leiter Rettungsdienst besitzen muss. Nach Eingang des Alarms rüsten sich diese sechs Kollegen mit entsprechenden Überlebensanzügen aus.

 

Diese Anzüge ermöglichen das Überleben über mehrere Stunden im Wasser, falls es zu einer Notwasserung kommen sollte. Neben Helm, selbst aufblasender Rettungsweste, gehören Funkgeräte zur persönlichen Ausrüstung. Des Weiteren nimmt das Personal sieben Rucksäcke, medizinischen Sauerstoff und einen Defibrillator zur Wiederbelebung mit. Ganz wichtig ist außerdem, da die Einsätze in der Regel längerfristig sind, ein wenig Verpflegung für den Notfall.

Nach dem Ausrüsten verlegt das Team  zu einem Treffpunkt, an dem ein Hochseetauglicher Bundeswehrhubschrauber landen kann. Der Hubschrauber wird mit Personal und Gerät beladen und fliegt das Team ins Einsatzgebiet, vielleicht auf die hohe See!!!

Winschen am Hubschrauber
Winschen mit der Schlinge

Das Material ist für einen sogenannten Massenanfall von Verletzten ausgelegt, das heißt: Viele Patienten können effektiv und adäquat versorgt werden. Eine realistische Zahl wäre hier bis zu 20 Verletzte. Bei  einer so hohen oder höheren Anzahl an Verletzten oder Erkrankten wird das Havariekommando selbstverständlich mehrere VVTs zum Einsatzort entsenden.

Sollte dieser Fall irgendwo in der Ostsee oder in der Nordsee eintreten, stehen in Kiel gut ausgebildete, bestens motivierte und perfekt ausgerüstete Kollegen bereit, sich jederzeit in die Wogen der See zu begeben.