Landeshauptstadt Kiel Kiel.Sailing.City

Kiel ist gentechnikfreie Region

Die Landeshauptstadt Kiel setzt sehr auf nachhaltige Entwicklung auch im Anbau von Lebensmitteln. Schon am 9. Juli 2009  fasste die Ratsversammlung den  Beschluss "Keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf städtischen Flächen".

Der Oberbürgermeister wurde beauftragt sicherzustellen, dass der Anbau von genetisch veränderten Pflanzen auf städtischen Flächen ausgeschlossen wird und in Pachtverträgen künftig entsprechende Auflagen zu verankern.

Darüber hinaus wurde die Stadtverwaltung aufgefordert, auf städtische Einrichtungen, städtische Eigenbetriebe und städtische Beteiligungen einzuwirken, damit beim Wareneinkauf und über Verträge mit Großhändlern möglichst keine gentechnisch veränderten Lebensmittel oder Zutaten gekauft oder verwendet werden. Dort, wo die Stadtverwaltung nur mittelbaren Einfluss ausüben kann (zum Beispiel in Kindergärten freier Träger), sollte sie entsprechend darauf hinwirken.

Die Begründung bleibt nach wie vor aktuell

Teller mit frischem Gemüse
Frisches Gemüse aus der
Region ist die beste Wahl

Angesichts der mit dem Anbau genetisch veränderter Pflanzen verbundenen Gefahren wie der Auskreuzung von genetisch verändertem Erbgut auf verwandte Wildpflanzen und damit der Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt sowohl von Wildfauna und -flora als auch von Kulturpflanzen, lehnte die Ratsversammlung den Anbau solcher Pflanzen ab. Außerdem meinten die Ratsherren und -frauen, dass die Landeshauptstadt Kiel hier einen Beitrag leisten könnte, um die Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen einzuschränken.

Damit gehören Kiel und Lübeck zu den 325 gentechnikfreien Kommunen / Landkreisen in der Bundesrepublik. 2012 ist auch die schleswig-holsteinische Landesregierung den gentechnikfreien Regionen beigetreten. Über weitere Mitstreiter im Bundesgebiet informieren die Seiten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland:
www.gentechnikfreie-regionen.de

Auswirkungen der Agro-Gentechnik

Wer konventionelles Schweine- und Hühnerfleisch isst, muss davon ausgehen, dass die Tiere zuvor mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF, die am 21. August 2012 in Berlin veröffentlicht wurde. WWF-Schätzungen zufolge sind demnach über 80 Prozent aller Soja-Importe für den deutschen Markt aus gentechnisch veränderten Bohnen - und das, obwohl deren Anbau in der gesamten EU untersagt ist.

Die billige, industrielle Fleischproduktion  in Deutschland  hängt ab vom Import von Millionen Tonnen Gentechnik-Soja aus Nord- und Südamerika. Circa 80 Prozent des Kraftfutters, nämlich 3,5 Millionen Tonnen von 4,5 Millionen Tonnen für Schweine, Hühner und Rinder, besteht aus genverändertem Sojaschrot. Die gesamte Sojaproduktion aus Argentinien geht zum Beispiel nach Europa in die Futtertröge.

Keine Gentechnik auf Kieler Tellern

Flyer 2010
 

2010 wurde auch der 
Stadtwerke Kiel Umweltpreis unter dem Motto „Keine Gentechnik auf Kieler Tellern" ausgeschrieben. Gefragt waren Lösungsvorschläge, wie sich Kieler und Kielerinnen ohne Gentechnik ernähren können.

Der Wirkstoff Glyphosat

Die große Mehrheit der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen ist herbizidresistent, das heißt widerstandsfähig gegen Pflanzengifte. Die Spritzmittel können ungehindert auf die Pflanzen aufgebracht werden, während alles andere Grün um sie herum abstirbt. Das Gentechnik-Saatgut für die Pflanzen sowie die Spritzmittel werden meist vom selben Hersteller angeboten. Der US-Konzern Monsanto ist Marktführer beim Verkauf von gentechnisch veränderter RoundupReady Soja und dem dazugehörigen Spritzmittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat.

Durch die einseitige Anwendung von Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat bilden sich immer mehr Resistenzen heraus. Die Folge: Es wird noch mehr Glyphosat gespritzt. Eine weitere Strategie der Gentechnik-Konzerne besteht darin, neue Pflanzen zu entwickeln, die mehrere Resistenzen aufweisen.

Der vermehrte Einsatz von Pflanzengiften ist gefährlich für Menschen, wie immer mehr Studien zeigen. In Argentinien lebt die Bevölkerung teilweise direkt an den Feldern und klagt über Missbildungen, Fehlgeburten und Krebserkrankungen.

Der Verein Testbiotech berichtet zudem, dass Glyphosat-Rückstände in Futter- und Lebensmitteln gesundheitliche Gefahren für Verbraucher mit sich bringen können. Es ist nicht auszuschließen, dass insbesondere Zusatzstoffe wie POE-Tallowamine, die als Benetzungsmittel dienen, auch in tierische Produkte und damit in unsere Nahrungskette übergehen.

Weitere Infos zu Gentechnik erhalten Sie beim Infodienst Gentechnik der Zukunftsstiftung Landwirtschaft  und dem Umweltinstitut München.
http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/roundup-und-gentechnik-pflanzen.html#c27180
http://umweltinstitut.org/gentechnik/allgemeines-gentechnik/allgemeines-gentechnik-174.html

Prof. Antonio Andrioli, Gentechnik-Experte aus Brasilien: "Wiederholen Sie in Europa nicht unsere Fehler!"

Brasilien ist ein wichtiger Lieferant für gentechnisch veränderte Sojabohnen, aber neuerdings auch der wichtigste Lieferant für gentechnikfreies Soja für Europa. Wie sind die aktuellen Entwicklungen in der Debatte?

Im März 2011 hatte der renommierte Agrarexperte und Gentechnikgegner Prof. Dr. Antônio Andrioli aus Brasilien in einer gemeinsamen Veranstaltung von CAU und Stadt Kiel einen Vortrag über die Gefahren des gentechnisch veränderten Sojaanbaus in Brasilien gehalten. Die Veranstaltung wurde von Bürgermeister Todeskino mit einem Plädoyer für ein Recht auf natürliche und nachhaltige Nahrung eröffnet, da er selber die Risiken für die Bevölkerung durch gentechnisch veränderte Lebensmittel strikt ablehne.

Die Veranstaltung wurde vom Offenen Kanal Kiel aufgezeichnet. Die DVD ist beim Umweltschutzamt vorhanden und kann ausgeliehen werden.

Prof. Dr. Antonio Andrioli und Bürgermeister Peter Todeskino
Kiels Bürgermeister Todeskino moderierte die
Veranstaltung mit Prof. Dr. Antonio Andrioli
(Foto: Stefan Kempf)

Ende 2013 startete Prof. Dr. Antônio Andrioli eine weitere Deutschlandtournee in Lübeck. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) und Brot für die Welt organisieren die Vortragsreise für Professor Dr. Antonio Andrioli durch Deutschland und Österreich.

Bürgermeister Peter Todeskino findet es wichtig, dass Professor Dr. Antonio Andrioli  Europa warnt, die gleichen Fehler zu wiederholen, und über den Irrweg der Versorgung mit gentechnisch verändertem Getreide aus Südamerika aufklärt. Dieses Getreide verdankt seinen zweifelhaften Erfolg dem ungehinderten Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln wie Round up mit dem Wirkstoff Glyphosat.

Auch bei uns in Schleswig-Holstein wird Glyphosat zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft, in Privatgärten sowie zum Beispiel an Eisenbahnschienen und Wegen gesprüht. Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck hat angekündigt, sich für ein Verbot von Glyphosat einzusetzen, was der Kieler Bürgermeister begrüßt.

Die Landeshauptstadt Kiel hat schon 2012 im Kieler Rathaus eine kritische Veranstaltung zu Glyphosat aus dem Kieler Umweltschutzfonds gefördert.

Was können wir in Kiel für eine gesunde Ernährung tun?

Biolebensmittel sind auch in Deutschland die Alternative, wenn man sich garantiert gentechnik-, pestizid- und vor allem glyphosatfrei ernähren möchte. Aber sind sie auch für jeden bezahlbar?

Wenn man seine Ernährung umstellt auf regionales und saisonales Obst und Gemüse und auf frischgemahlenes vollwertiges Getreide sowie gute Öle und Fette, wie die Experten von der Gesundheitsberatung (GGB) empfehlen, kann man lecker und gesund kochen und sogar die Haushaltskasse dabei schützen.

Kontakt

Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel
Im Hause der Landwirtschaftskammer
Nicoline Henkel
Raum 233
Holstenstraße 106-108
24103 Kiel
Telefon 0431 / 901 - 3765
Fax 0431 / 901 - 63780
E-Mail nicoline.henkel@kiel.de